Unkraut? Fehlanzeige! Das Superfood von nebenan

Manch einen stören sie bei der Gartenarbeit und so mancher hat noch nie näher über sie nachgedacht – die Rede ist von heimischen Wildkräutern. Oder sollten wir lieber Unkräuter sagen? Denn so werden die heimischen Pflanzen oft abschätzig genannt. Die grünen Alleskönner aus dem eigenen Garten haben leider oft einen schlechten Ruf – sie vermehren sich schnell, sind nicht auszurotten und zerstören Rasen und Blumenbeet. 

Dass die kleinen Pflanzen viel zu bieten haben und vor allem viel mehr Aufmerksamkeit verdient haben, weiß auch Christa aus dem Anlautertal – sie ist seit drei Jahren ausgebildete Wildkräuterpädagogin, macht Wildkräuterwanderungen und bietet Workshops an. Wie viele Kräuterpädagog:innen, möchte sie uns allen zeigen, wie wir mit der Natur leben können, ganz ohne Angst davor zu haben.

Im Gespräch mit FEMOTION RADIO hat Christa erzählt, warum Wildkräuter unsere Ernährung ergänzen sollten, auf was wir beim Sammeln achten müssen und was Löwenzahn, Brennnessel und Co zu bieten haben.

FEMOTION RADIO: Wieso sollten wir unseren Speiseplan um Wildkräuter ergänzen?

„Wildkräuter haben unwahrscheinlich viele Inhaltsstoffe. Wir essen viel Verarbeitetes, das sind Nahrungsmittel, die uns satt machen, aber es sind nicht mehr viele Nährstoffe enthalten. Aber Wildkräuter sind genau wie unverarbeitetes Gemüse vom Feld Lebensmittel, mit welchen wir unsere Nahrung aufbessern können. In Wildkräutern stecken zum Beispiel Bitterstoffe, Gerbstoffe, Saponine, Eisen, ätherische Öle und viel mehr. Wenn ich täglich eine Hand voll Kräuter zu mir nehme, bin ich voll versorgt mit allen Mineralstoffen, die mein Körper braucht. Sie liefern uns Energie und Kraft und halten bei regelmäßiger Einnahme unser Immunsystem gesund.“

„Wir müssen uns im Klaren sein, dass es auch giftige Pflanzen gibt. Ich sammle also wirklich nur, was ich hundertprozentig kenne“

FEMOTION RADIO: Wie geht man das Thema Wildkräuter am besten an als absoluter Anfänger?

„Das wichtigste ist, dass man die Kräuter, die in der Natur um einen herum wachsen, hundertprozentig kennenlernt. Der beste Weg dafür ist der Weg über Kurse und Kräuterwanderungen bei Kräuterpädagoginnen, Kräuterfrauen oder Naturführern. Es müssen keine 20 Kräuter sein, die man bestimmen muss, am Anfang reichen auch fünf, die man ganz sicher erkennt und bestimmen kann. Ich selbst biete jeden Monat eine Kräuterwanderung an, um die Kräuter im Jahresrythmus kennenzulernen. Kräuter muss man fühlen, riechen und schmecken – was man mal gegessen hat, vergisst man nicht mehr.“

FEMOTION RADIO: Was gilt es beim Kräutersammeln denn alles zu beachten?

„Wir müssen uns im Klaren sein, dass es auch giftige Pflanzen gibt. Ich sammle also wirklich nur, was ich hundertprozentig kenne. Mir als Kräuterpädagogin ist wichtig, dass man nicht alle Blätter und Blüten einer Pflanze nimmt und keine Pflanzen mit der Wurzel ausreißt. Auch wenn nur eine Pflanze im Umkreis einiger Quadratmeter steht, dann sollte man sie auch stehenbleiben, sie soll sich vermehren. Die beste Zeit zum Sammeln ist bei Sonnenschein gegen Mittag, da haben die Pflanzen die meisten Kräfte. Die beste Sammelzeit ist zwischen Mitte August und Mitte September, denn da ist die Heilwirkung laut Volksheilkunde am intensivsten.“

„Paracelsus sagte damals: Wenn Gott sich damals für eine Pflanze entschieden hätte, die uns Menschen helfen soll, dann hätte er auf der Erde die Brennnessel wachsen lassen.“

FEMOTION RADIO: Welche heimische Pflanze ist denn ganz besonders empfehlenswert?

„Eine der wichtigsten Pflanzen ist die Brennnessel, sie ist ein Powerfood hoch drei und dank des hohen Eiweißgehalts auch super für Sportler geeignet. Brennnesseln haben Kieselsäuren, Gerbstoffe, Ameisensäure, Carotenoide, B-Vitamine, Hormone Enzyme und noch viel mehr. Im Frühjahr werden die Blätter zum Entgiften verwendet, man kann auch Brennnesselsuppe oder Spinat aus den Blättern machen. Auch die Wurzeln und die Samen sind essbar, schon Paracelsus sagte damals: „Wenn Gott sich damals für eine Pflanze entschieden hätte, die uns Menschen helfen soll, dann hätte er auf der Erde die Brennnessel wachsen lassen.“

FEMOTION RADIO: Löwenzahn und Gänseblümchen sind auch sehr beliebte Wildkräuter…

„Der Löwenzahn ist überall bekannt, er ist ein Frühjahrskraut, wirkt reinigend und hilft beim Entgiften und Entschlacken. Die Bitterstoffe sind gut für die Verdauung und die Galle. Neben den Blättern sind auch die Wurzeln essbar, diese kann man im Herbst ernten, die sind besonders toll für ein Wurzel-Kräutersalz, früher hat man daraus sogar Kaffee hergestellt. Auch die Blüten passen getrocknet super in den Salat. Auch die zarten Gänseblümchen sind sehr beliebt, sie sind stoffwechselanregend, hormonregulierend und machen sich wunderbar im Salat oder über dem Gemüse.“

Die Schafgarbe ist ein ganz tolles Frauenkraut – sie wirkt entkrampfend und blutstillend, schon früher wurde sie bei Menstruationsschmerzen in Auflagen oder im Sitzbad verwendet“

FEMOTION RADIO: Kräutersalz, Kaffee und Co, das klingt vielfältig – was kann man denn aus Wildkräutern noch so alles zaubern?

„Ab Februar, März kann man sie einfach roh genießen. Man kann aus Wildkräutern auch Tee herstellen. Wenn man Kräuter zu Wasser gibt und einen Wasserauszug herstellt, ist das auch sehr toll. Man kann aus Blüten und Kräutern auch Essige, Tinkturen, Liköre, Weine und Hydrolate herstellen. Eine andere Idee ist es auch, die Blüten und Blätter zu trocknen und zu Mehl zu mahlen, das kann man im Kuchen oder im Brot verwenden, das wertet besonders im Winter das Essen auf. Früher hat man mit Kräutern auch geräuchert.“

FEMOTION RADIO: Es gibt auch Wildkräuter, die besonders uns Frauen während der Menstruation helfen, was kannst du da besonders empfehlen?

„Die Schafgarbe ist ein ganz tolles Frauenkraut – sie wirkt entkrampfend und blutstillend, schon früher wurde sie bei Menstruationsschmerzen als Auflagen oder im Sitzbad verwendet. Auch eine Teemischung aus Schafgarbe, Hirtentäschel und Frauenmantel wirkt zusammenziehend, milchfördern und menstruationsregelnd.“

Lust auf noch mehr tolle Infos über Kräuter? Dann kommt ihr hier zu Christas Website.

Vielen Dank für das tolle Gespräch, Christa!

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