Echte Kaninchen im Osternest? Fünf Mythen rund um die Kaninchenhaltung

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Die Annahme Kaninchen seien unkompliziert, günstig und viel einfacher zu halten als Hund oder Katze hält sich hartnäckig.

Dass diese Fehlinformation nicht der Wahrheit entspricht, weiß auch Viola Schillinger – sie studiert Tiermedizin in München und hat vor einigen Jahren Kaninchenwiese.de gegründet. Eine Plattform, die von A wie Anschaffung bis hin zu Z wie Zahngesundheit aufklärt und Mythen aus dem Weg räumt. Heut erreicht Viola mit ihrer Plattform über eine halbe Million Menschen im Monat.

Hier könnt ihr das Gespräch mit Viola Schillinger nachhören:

Viel Spaß beim Hören!

„Ich bekomme immer wieder die Rückmeldung, dass viele Halter vor der Anschaffung gerne besser gewusst hätten, was sie erwartet und dann auch die Kaufentscheidung anders getroffen hätten.“

Viola hat für uns mit den gängigsten fünf Mythen über die Kaninchenhaltung aufgeräumt.

Mythos 1: Kaninchen gehören in einen Käfig.

 

Das stimmt nicht. Eine Käfighaltung ist für die aktiven Tiere gänzlich ungeeignet. Trotzdem ist ein Käfig kein Ko-Kriterium, solange er 24 Stunden am Tag offen steht. Was viele nicht wissen: Kaninchen sind auch nachts aktiv und brauchen rund um die Uhr viel Auslauf, bei zwei Kaninchen gelten Mindestmaße von 6qm. Dafür eignet sich zum Beispiel ein raubtiersicheres Gehege im Garten, eine abgetrennte Ecke im Zimmer oder die freie Wohnungshaltung, wie sie bei Katzen oder Hunden üblich ist. Übrigens: Kaninchen werden meistens stubenrein und gehen ähnlich wie Katzen auf eine Toilette.

Mythos 2: Ein Kaninchen reicht.

 

Viele Halter entscheiden sich der Einfachheit halber erstmal nur für ein Tier. Das ist bei den sozialen Tieren allerdings keine gute Idee. Eine Einzelhaltung bei Kaninchen ist nie artgerecht und viele Tiere leiden sehr stark. Mit einem oder zwei flauschigen Partnern ist das Kaninchenleben viel schöner.

Mythos 3: Kaninchen sind unkompliziert.

 

Ganz abgesehen davon, dass schon die Anschaffung, der Gehegebau und die tägliche Pflege Zeit braucht, sind Kaninchen beispielsweise bezogen auf die Ernährung sehr komplex. Oft wird noch klassisches Trockenfutter empfohlen, was den anfälligen Tieren schadet. Tatsächlich sind Kaninchen Frischköstler und brauchen rund um die Uhr große Mengen an Grünzeug. Das lässt sich im Sommer mit ein wenig Wissen auf der Wiese finden, spätestens im Winter sind regelmäßige Besuche im Gemüseladen nicht zu vermeiden.

Mythos 4: Kaninchen sind günstig.

 

Die meisten Halter melden Viola Schillinger zurück, dass die Kaninchenhaltung deutlich teurer ist als die Haltung von Katze und Hund. Für viele Neuhalter ist das ein ziemlicher Schock. Doch der Grund liegt nahe: nicht nur das regelmäßige Grünfutter geht ins Geld, vor allem die Tierarztkosten sind beachtlich. Neben dem jährlichen Impfen und den Checkups ist ein weiterer Punkt wichtig: Viele Tiere werden chronisch krank und die Tierarztkosten werden schnell vierstellig.

Mythos 5: Kaninchen sind perfekt für Kinder geeignet.

 

Diese Aussage ist tatsächlich gar nicht so falsch. Kaninchen sind nicht per se ungeeignet für Kinder. Halter sollten sich bewusst machen, dass es sich bei den kleinen flauschigen Tieren um Beutetiere handelt, die weder „bekuschelt“, noch hochgenommen oder eingefangen werden möchten. Für sehr stürmische Kinder sind die sensiblen Tierchen daher nicht die ideale Wahl, andere Kinder haben viel Spaß mit den Beobachtungstieren. Wie bei jedem Haustier sollten jedoch vor allem die Eltern hinter der Entscheidung stehen, Kinder werden älter, verlieren manchmal das Interesse oder ziehen aus – all diese Faktoren sollten mit einberechnet werden, denn Kaninchen werden bis zu 15 Jahre alt.

Wer all diese Aspekte zusammenzählt merkt schnell: Ganz so einfach ist die Haltung der flauschigen Langohren doch nicht – das gilt übrigens auch für andere Heimtiere wie Meerschweinchen oder Hamster. Wie bei jedem Haustier ist die Anschaffung mit Verantwortung verbunden und sollte mit der ganzen Familie gut durchdacht werden. Ein Fest wie Ostern ist oft nicht der ideale Anlass, um diese Entscheidung zu treffen. Viola Schillinger beobachtet jährlich, wie bereits wenige Wochen oder Monate nach Ostern einige der verschenkten Kaninchen ins Tierheim wandern. Viele dieser Fälle lassen sich mit rechtzeitiger Aufklärung vermeiden.

Und dennoch: Auch wenn die Haltung kompliziert ist und oft für Überraschungen sorgt, sind Kaninchen Tiere, die einen Haushalt sehr bereichern können, wenn man ihnen die Chance dazu gibt. Viele weitere spannende Infos und Einblicke in das Zusammenleben mit den Langohren findet ihr auf Kaninchenwiese.de.

 

Vielen Dank, Viola!