Mythen, Anzeichen und wertvolle Tipps – drei Checklisten rund ums Thema Endometriose

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Wir haben für euch drei Checklisten zusammengestellt, die dabei helfen sollen, aufzuklären, ein Bewusstsein zu schaffen und Anzeichen für Endometriose schon früh zu erkennen.

Mythen rund um Endometriose

Um Endometriose ranken sich noch immer Sagen und Mythen, die in vielen Köpfen fest verankert sind. Wir haben die wichtigsten für euch zusammengetragen:

  1. Endometriose ist einfacher Periodenschmerz.

Nein, das stimmt so nicht. Endometrioseschmerzen gehen weit über einen „normalen“ Periodenschmerz hinaus. Während sich Menstruationsbeschwerden oft mit einem leichten Schmerzmittel behandeln lassen, erleben Endometriosebetroffene schwere pathologische Schmerzen, die auch nach der Schmerzmitteleinnahme bleiben. Aber Vorsicht: Starke Schmerzen während der Menstruation sind grundsätzlich nicht normal und gehören in Behandlung!

2. Alle Endometriosebetroffenen sind unfruchtbar.

Auch dies ist ein Mythos – ja, Endometriose hängt mit Unfruchtbarkeit zusammen, allerdings kann nur etwa ein Drittel aller Betroffenen keine Kinder bekommen. Oft ist es trotz Endometriose möglich, Kinder zu bekommen und manchmal ist etwas Geduld und Unterstützung sinnvoll.

3. Endometriose betrifft nur ältere Frauen.

Das stimmt nicht, Frauen und Menschen mit Gebärmutter können in jeder Altersstufe von Endometriose betroffen sein.

4. Endometriose lässt sich durch eine OP heilen.

Das stimmt ebenfalls nicht. Endometriose ist eine chronische Erkrankung und kann nicht geheilt werden. Eine Operation, Schmerztherapien oder Hormonbehandlungen können Linderung verschaffen und die Endometrioseherde zurückdrängen, ganz geheilt werden Betroffene jedoch nie.

5. Endometriose führt immer zu starken Schmerzen und den gleichen Symptomen.

Das ist ein klassischer Mythos – Endometriose wird nicht umsonst als das Chamäleon der Gynäkologie bezeichnet. Jede betroffene Person ist unterschiedlich und es können verschiedenste Symptome auftreten. Übrigens leiden nicht alle Endometriosebetroffenen an starken Schmerzen.

Endometriose oder „normale“ Schmerzen während der Periode?

Viele Frauen unterschätzen ihre Schmerzen – oft werden Endometrioseschmerzen auch von Mediziner:innen als „normale“ Periodenschmerzen abgetan und nicht behandelt. Endgültig diagnostiziert wird einen Endometriose durch eine operative Bauchspiegelung, es gibt jedoch einige Anzeichen, die schon früh auf die Erkrankung deuten. Diese Checkliste der Universität Tübingen fasst die wichtigsten zusammen:

  • Unerfüllter Kinderwunsch
  • Starke bis zur Ohnmacht führenden Schmerzen während der Menstruationsblutung, davor und auch danach, Schmerzen, die in die Beine strahlen
  • Schmerzen während einer gynäkologischen Untersuchung oder während des Geschlechtsverkehrs
  • Unregelmäßige, unterschiedlich starke Menstruationsblutung
  • Erschöpfung oder Müdigkeit, die so stark ist, dass Arbeiten und Co nicht mehr möglich ist. (Die Erschöpfung tritt meist vor, während oder nach der Menstruation auf und steht im Zusammenhang mit Schwindel, Übelkeit und Kopfschmerzen)
  • Anfälligkeit für Infekte während der Menstruation und eine allgemeine Anfälligkeit für Allergien

Endometriose – und wie geht’s jetzt weiter? Diese Tipps helfen anderen Betroffenen

Wenn die Diagnose Endometriose lautet, sind viele Betroffene erstmal ratlos – am wichtigsten ist der Gang in ein Endometriosezentrum und eine gute Betreuung durch Gynäkolog:innen. Ganz wichtig: Jeder Körper ist anders und es gibt kein Patentrezept, das bei jeder Betroffenen funktioniert. Viele Erkrankte haben mit unterschiedlichen Therapien gute Erfahrungen gemacht, die Therapie ist also immer eine individuelle Sache.

Wir haben für euch ein paar Alltagstipps zusammengetragen, die einigen Betroffenen Schmerzlinderung verschaffen und zusätzlich zu einer ärztlichen Therapie helfen können. Aber ganz wichtig, auch hier gilt: Jede Frau ist unterschiedlich, was der einen hilft, bringt bei der anderen nichts.

  1. Wärme: viele Betroffene machen gute Erfahrungen mit Wärmekissen, Wärmepflastern, Heizdecken, Körnerkissen oder mit einer Wärmflasche.
  2. Tens-Gerät: Ein Tens-Gerät ist ein kleines elektrisches Gerät, das bei vielen Erkrankungen eingesetzt wird. Es stimuliert die Nerven und kann die Schmerzen lindern.
  3. Spazierengehen: viele Menschen mit Endometriose berichten, dass lange, entspannte Spaziergänge ihnen guttun und Erschöpfung und Müdigkeit gelindert werden.
  4. Entspannung: Entspannungsrituale wie Yin Yoga oder Mediation können auch dabei helfen, die Schmerzen zu lindern und für ein besseres Gefühl sorgen.
  5. Entzündungshemmende Ernährung: um die Ausbreitung von Endometrioseherden im Körper zu hemmen, setzen viele Betroffene auf bestimmte Ernährungsformen und ernähren sich besonders entzündungshemmend. Gerade zu diesem Thema finden sich zahlreiche Tipps und Tricks auf Instagram.
  6. Bequeme Kleidung: nicht nur nach einer Bauchspiegelung sondern auch während einer schmerzhaften Phase kann es helfen, statt der engen Jeans auf eine bequeme Leggings oder eine weite Hose zu setzen, um so den Unterleib nicht zusätzlich zu verspannen.

 

One In Ten – Aufklärung rund ums Thema Endometriose

… dass Aufklärung im Bereich Endometriose wichtig ist, wissen auch Noëlle und Silja. Die beiden Freundinnen haben beiden mit der Diagnose bzw. im Falle von Silja mit der Verdachtsdiagnose Endometriose zu kämpfen. Noëlle hat als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der medizinischen Forschung jahrelang zu der chronischen Erkrankung geforscht. Eine Sache hat sie immer gestört: Es gibt zu wenig Wissen, zu wenig Aufklärung und zu wenig Antworten auf ihre offenen Fragen.

Deshalb haben sich die beiden Frauen kurz nach Siljas Operation „aus einer Weinlaune heraus“ entschieden, genau diese Plattform zu gründen, die sie selbst jahrelang vermisst haben. Mit One in Ten möchten die beiden nicht nur Tipps geben und ihre Erfahrungen teilen, sondern auch Alternativmedizin, Komplementärmedizin und der Naturheilkunde Raum geben, Betroffenen helfen und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Noëlle sagt:

„Nehmt eure Beschwerden ernst und sucht euch Hilfe, lasst euch eure Beschwerden nicht ausreden. Regelschmerzen sind nicht normal, wenn sie das Leben einschränken.“

… das hat uns übrigens auch Prof. Sylvia Mechsner erzählt, hier könnt ihr das Interview mit der Endometriose-Koryphäe nachlesen.

 

Fotocredit One in Ten: Elena Panizza