Von wegen "Trotzphase" und "Kleine Tyrannen" - wenn Kinder Autonomie und Selbstbewusstsein entwickeln

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Irgendwann zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr findet die Zeitspanne statt, in der Kinder sich von den Eltern abnabeln und ihre Autonomie entdecken. Diese Phase wird oft "Trotzphase" genannt, obwohl das ein relativ negatives Bild zeichnet. 

Eltern-Kind-Beziehung: Ist das wirklich Trotz?

Der Begriff "Trotzphase" stammt aus einer Zeit, in der Kinder sehr autoritär erzogen wurden. Er beschreibt die Zeitspanne etwa zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr, in der Kinder beginnen, sich von ihren Eltern abzunabeln und wütend zu werden. Diese Phase wird oft als sehr anstrengend empfunden, gehört jedoch zur natürlichen Kindesentwicklung dazu.

Die gesellschaftliche Darstellung der Trotzphase

Obwohl die Trotzphase ein normaler Teil der kindlichen Entwicklung ist, wird sie gesellschaftlich oft negativ dargestellt. Die Formulierungen implizieren, dass Kinder bösartige und berechnende Wesen sind, die nur darauf warten, ihre Eltern fertig zu machen. Es wird suggeriert, dass Eltern bei diesen unerhörten Verhaltensweisen einfach mal richtig durchgreifen müssen. Doch das macht Kinder nicht zu "trotzigen Tyrannen" - sie sind einfach Kinder in einer ganz natürlichen Phase ihres Wachstums. Und ja, wir geben zu, dass einige Verhaltensweisen absolut ermüdend sein können und dass Eltern dabei Unglaubliches leisten. Dennoch sind Kinder keine kleinen Tyrannen, sondern einfach Kinder, in einer Phase, die Expert:innen heutzutage auch Autonomiephase nennen. 

Die Autonomiephase und das richtige Reagieren

Die sogenannte Autonomiephase hat nichts mit böswilligen Absichten zu tun. Es geht um Selbstbestimmung, Selbstbehauptung, Grenzensetzung und Freiheit. Kinder entwickeln in dieser Phase ihren eigenen Willen, können ihre Gefühle jedoch noch nicht regulieren. Sie lernen zu verhandeln und entdecken ihre Persönlichkeit. Dabei können sie unkontrolliert wütend, frustriert oder traurig werden. Kinder lachen sich während eines Wutanfalls nicht berechnend ins Fäustchen - sie sind verwirrt und es nimmt sie genauso mit wie uns Erwachsene auch.

Es ist daher wichtig, die Gefühle der Kinder anzunehmen, ernst zu nehmen und zu benennen. Kinder müssen ihre Gefühle zeigen dürfen, um richtig mit ihnen umgehen zu können. Sie lernen, ihre eigenen Emotionen zu verstehen und einzuordnen, wenn wir ihnen einen Namen geben. Zum Beispiel: "Du bist jetzt wütend, ich verstehe das." Spielt die Gefühle eurer Kinder nicht herunter. Sätze wie "Du musst doch jetzt nicht heulen" helfen nicht. Fragt lieber nach, was genau euer Kind traurig macht. 

Tipps für den Umgang mit Wutanfällen

Da Kinder diese Verhaltensweisen nicht "absichtlich" zeigen und uns auch nicht "manipulieren", hilft es nicht, wenn man sie anschreit oder bestraft. Stattdessen können folgende Tipps hilfreich sein:

  • Körperkontakt:

Manche Kinder mögen es, wenn man ihnen buchstäblich "Halt gibt".

  • Ortswechsel:

Manchmal wirkt schon der Ortswechsel vom Haus in den Garten Wunder.

  • Rechtzeitig ankündigen:

Kündigt Änderungen wie einen Ortswechsel rechtzeitig an und reißt Kinder nicht unverblümt aus der Situation heraus. So lernen Kinder, dass sie sich langsam auf das Ende des (z.B.) Spielplatzbesuches einstellen können.

 

 

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