„Mehr Aufklärung über Menstruationsschmerz“

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.... ist eine von vielen Forderungen im Zusammenhang mit der Frauenkrankheit Endometriose.

Schätzungen zufolge sind weltweit rund 170 Millionen Frauen davon betroffen, in Deutschland sind es zwei bis sechs Millionen. Eine von 10 Frauen.

Da immer noch so viel Unwissenheit besteht, ist der März zum Endometriose-Monat ernannt worden, am 27. März finden in Berlin die EndoDays des Fortbildungskollegs zum Thema Endometriose statt.

Eine der Hauptrednerinnen dort ist Prof. Dr. Sylvia Mechsner von der Charité Berlin.

Hört rein ins Gespräch mit der Expertin.

Im FEMOTION RADIO-Interview kritisierte die ausgewiesene Endo-Spezialistin vor allem auch:

"Eine sehr schlechte Versorgung im ambulanten Bereich"

Frankreich hat eine nationale Strategie zur Bekämpfung der Krankheit Endometriose angekündigt. Braucht Deutschland das auch?

„Man muss wissen, dass wir hier in Deutschland schon nochmal eine andere Situation haben, als in Frankreich: Die Stiftung Endometrioseforschung ist in Deutschland schon seit vielen Jahren sehr aktiv und hat z.B. dafür gesorgt, dass es zertifizierte Endometriosezentren gibt, in denen Frauen adäquat behandelt werden. Aber zu Recht sagen die Frauen in Deutschland, dass sich trotzdem nicht viel getan hat, und dem stimme ich auch zu.“

Vor allem die Zeit von den ersten Symptomen bis zur Diagnose sieht die Expertin kritisch.

"Jeder Regelschmerz gehört behandelt"

„Wir haben eine sehr schlechte Versorgung im ambulanten Bereich. Hier wird die Krankheit zu schlecht erkannt und überhaupt nicht behandelt. Warum müssen junge Frauen überhaupt mit Regelschmerzen rumlaufen? Jeder Regelschmerz gehört gehört und behandelt. Ob es nun Endometriose ist oder nicht. Man kann doch die vielen jungen Frauen nicht mit ihren Schmerzen allein lassen!“

Man wisse, dass Betroffene viele Jahre später Gefahr laufen, chronische Schmerzsyndrome zu entwickeln. Der jetzige Umgang mit der Krankheit gehörige unter anderem auch deswegen hinterfragt, sagt Prof. Mechsner und fordert im FEMOTION RADIO Interview:

„ … dass wir frühzeitig anfangen, Ressourcen zu etablieren und zu öffnen. Etwa dass Frauenärzte ähnlich wie Kinderärzte bei Jugendvorsorgeuntersuchungen über Menstruationsschmerz aufklären. Und es müsste eine größere Aufklärung in Schulen geben rund um die Frage, was normal ist und was nicht.

Im Moment hören die jungen Frauen von zu vielen Seiten, es sei alles normal, da musst du durch, krieg erst mal dein erstes Kind dann wird alles besser.“

"Verständnis stärken, Fortbildungen anbieten"

Sylvia Mechsner fordert:

„Einfach das Bewusstsein das Verständnis zu stärken und den Frauen- und Kinderärzten die entsprechenden Fortbildungen anzubieten.“

Denn:

„Auch wenn die Frauen in einem Endometriosezentrum, operiert wurden, stehen sie nach der OP wieder alleine da, weil niedergelassene Ärzte zu wenig Erfahrungen haben und eine umfassende Nachsorge nicht abgerechnet werden kann. Das sind eigentlich einfache Stellschrauben, wenn wir das ändern, wäre schon sehr viel gewonnen.“

Prof. Sylvia Mechsner arbeitet seit 2001 an der Klinik für Gynäkologie der Charité in Berlin. Dort leitet sie das Endometrioseforschungslabor und seit 2014 das Endometriosezentrum. Mechsner gilt als DIE bundesdeute Koryphäe auf dem Gebiet der Krankheit.

Sie leitet Forschungsprojekte und klinische Studien rund um die Pathogenese und Schmerzmechanismen der Endometriose. 2021 veröffentlichte sie ihr Buch “Endometriose — Die unterschätzte Krankheit: Diagnose, Behandlung und was Sie selbst tun können” (ISBN-10 3965841610).

Foto: @Charité